Wie war das nochmal mit den Vorsätzen?

Zu Beginn eines jeden neuen Jahres möchte jeder alles besser machen als im vorherigen Jahr und alte, schlechte Gewohnheiten hinter sich lassen.

Dazu gehört dann zum Beispiel, dass man weniger essen, besser essen, jeden Morgen joggen gehen, weniger feiern und endlich mal erwachsen zu werden. Klingt doch alles erst einmal ganz positiv. In den meisten Fällen werden Lebensmittel für verboten erklärt und aus dem Haushalt verbannt und ein straffer Fitnessplan aufgestellt, den es zu befolgen gilt, denn man will es ja anders machen als im letzten Jahr.

Um es gleich einmal vorwegzunehmen: Das oben beschriebene kommt mir äußerst bekannt vor. Und es sind in der Tat klasse Pläne, genauso wie das Vorhaben, an einem Wochenende den gesamten Keller aufzuräumen oder an einem Vormittag alle Korrespondenz zu erledigen, die sich in den letzten Wochen angestaut hat und die einem ein über Wochen sorgfältig aufgebautes schlechtes Gewissen eingepflanzt hat.

Wenn man ehrlich mit sich selbst ist, läuft es dann in den ersten Wochen außergewöhnlich gut. Man läuft, man läuft vorbei an den Gummibärchen (die Betonung liegt auf „vorbei“, man ist ordentlicher, und das Fitnesstudio sieht einen in dieser Zeit häufiger als die eigene Oma.

Nach einiger Zeit allerdings fängt der eigene Körper an, dem Geist Streiche zu spielen. Man riecht plötzlich den Duft einer Pizza aus mehreren Kilometer Entfernung und sieht die Basilikumblätter förmlich vor sich, wie sie auf dem schön geschmolzenen Käse liegen, der auf den Salamischeiben liegt, die auf dem dünnen Teig kleben. Und dann ist es noch dunkel, plötzlich ist es noch viel dunkler draußen als an den anderen Tagen um 5 Uhr morgens. Und es regnet. „Komm schon“ flüstert der Geist zum Körper, „du willst doch was machen in diesem Jahr, du wolltest doch jeden Morgen 10 Kilometer vor dem kalorienarmen Frühstück laufen und endlich wieder fit werden. Jeden Tag, das haben wir doch gemeinsam beschlossen.“

Der Körper bleibt liegen und vergräbt den Kopf im Kissen. „Morgen geh ich wieder“ sagt er.

Und morgen? Morgen regnet es dann auch, sogar noch stärker als gestern, das geht auch nicht. Den Tag danach ist es zu kalt, dann ist man zu spät dran, und so weiter.

Wie schmeckt der kalorienreduzierte Frischkäse nach ein paar Wochen? Und die Möhrensticks, die man sich anstatt der üblichen Käsecracker vormittags reinzieht? Sie werden zu ungeliebten Tagbegleitern, die schliesslich irgendwo am Rande des Gefrierfachs ausgesetzt und ganz unabsichtlich vergessen werden.

Das Liegenbleiben des Körpers nach ein paar Wochen äußerst ehrgeizigem Sport, der Biss in das verbotene Lebensmittel, sie sind die vom Körper herbeigesehnte Erlösung aus dem selbstauferlegten Neujahrs-Bootcamp.

Läuft das immer so ab? Ganz klar, nein. Aber die Gefahr ist groß.

Die Gefahr, es zu übertreiben. Natürlich möchte man alles, was man zu Beginn des neuen Jahres anfasst, auch direkt richtig machen. So frisch das Jahr, so leer das Blatt. Aber von 0 auf 100, oder von 100 auf 0, je nach dem, ist schnell zu viel des Guten. Man fühlt sich überfordert, ist frustriert und fällt wieder in alte, deutlich bequemere Verhaltensmuster zurück.

Ein gesunder Mittelweg muss deshalb her. Niemand kann von einem Tag auf den anderen immer alles perfekt, am besten sofort und immer alles auf einmal schaffen. Die folgende Tabelle ersetzt überehrgeizige Äußerungen mit gemäßigteren:

Nimm diesen Satz: und ersetze ihn durch:
Ab heute jeden Tag 10 Kilometer laufen. Ab heute einmal pro Woche 5 Kilometer laufen
Süßigkeiten sind ersatzlos gestrichen. Ab heute kaufe ich nur noch 200 Gramm Lakritz anstatt des üblichen Kilobeutels.
Ich mache jeden Montag Großputz Ich versuche, jeden Tag ein bisschen Ordnung zu machen.

Diese Tabelle kann man noch beliebig weiterführen.

Gut ist, mit kleinen Dingen anzufangen, anstatt große Vorsätze zu fassen.